tech-talk#78: Wasserfarben auf Feldgrau

02 Jan 2014
Erstellt von IB Namotec

Web-GIS: Wasserwirtschaftliche Fachdaten

Seit vergangenem Herbst bieten die Bonner Web-GIS-Spezialisten von terrestris einen weiteren Kartendienst an. Das neuartige Kartendesign besticht durch seine Farblosigkeit und eignet sich hervorragend, um kolorierte Überschwemmungsflächen auf neutralen Kartenhintergrund zu projizieren. Der Kartengrund ist in Grautönen gehalten und hebt wasserwirtschaftliche Geodaten durch Blautönung akzentuiert hervor. Ein Informations-Overkill durch konkurrierende Karten- und Fachinformationen muss nicht mehr sein.

Auf Basis des mächtigen und gereiften Datenpools von OpenStreetMap (OSM) generieren die Bonner ihr graues Kartenmaterial. Durch wöchentliche Aktualisierung des Servers fließen die stetigen Ergänzungen durch das OSM-Projekt direkt in die Web-Karten ein. Damit werden auch entlegene Orte, die durch freiwillige GPS-Kartografen Zug um Zug für OSM erfasst werden, mit erstaunlich hoher kartografischer Präzision abgebildet. Ein solcher Detailreichtum braucht sich nicht hinter kommerziellen Kartendiensten verstecken.

Damit steht zu den übermächtigen Kartendiensten von Google Maps, Microsofts Bing Maps und Co. mit ihren schönen Luftbildfotografien eine interessante Alternative zur Verfügung. Neidlos lässt sich bekennen, dass Google Maps unser Bild von Karten mehr als reformiert hat. Es ist einfach geworden, auf Luftbildern zu navigieren und ortsbezogene Informationen mit Karten in Bezug zu setzen - die Ära der Autoatlanten von Shell, Aral und Co. sind Geschichte. Im Gelände regiert und dirigiert das Smartphone. Doch für die Produzenten von Fachinformation, wie in der Wasserwirtschaft, hat die schöne neue Welt einen Haken. Solange Nutzer wie Anbieter von Kartenmaterial verunsichert durch die deutsche Rechtsprechung sind und die Lizenzrechteverwertung im Web undurchschaubar bleibt, ist die Nutzung des Datenbestandes von OSM ein sicherer Hafen. Gemäß der Open Database License kann der Kartenbestand von OSM ohne weitere Kosten verwendet werden. Die Crew von terrestris liefert nun auch eine ansprechende, graue Kartengestaltung dazu.

Die Tools zur Herstellung der web-fähigen Formate liefert das GDAL-Projekt. Besonders ist der Beitrag von Petr Přidal (Klokan Technologies) durch sein Utility Programm gdal2tiles.py hervorzuheben. Die bitmaporientierte Technik der Kartenkachelung bleibt wegen der hohen Web-Performance vorerst gegenüber der vektorisierten Darstellung von Karteninformationen favorisiert. Exemplarisch ist im Beispiel ein Karten-Layer zur Struktur eines Berechnungsnetzes aufgenommen. Die Latenzzeiten für einen Bildaufbau sind für die vektorisierten Darstellungen gegenüber einer Rasterisierung per Kacheln mit gleichem Informationsgehalt spürbar höher - ein Phänomen, dass dem Web-GIS trotz schnellem Internet noch einige Zeit erhalten bleibt. Zumal in diesem Punkt bleibt das Desktop-GIS dem Web-GIS überlegen.

Die durch Namotec erstellten Fachdaten zum Flussgebietsmanagement werden nun bevorzugt auf dem grauen Kartenmaterial präsentiert. Überschwemmungsflächen sind über mehrere Zoomstufen durch Bathymetrie nach bayerischer Konvention abgebildet. Durch Kachelung der Roh-Karten entsteht eine flüssige Darstellung verschiedener Detaillierungsgrade. Die Dienstleistungen zu 2D-Modellierungen von Hochwasserabflüssen in Flussauen und Oberflächenabfluss in Kopfeinzugsgebieten beinhalten prinzipiell eine Webdarstellung der Überschwemmungsflächen nach Wassertiefen. Expertendarstellungen zu Netzstruktur und Geschwindigkeitsfelder sind Leistungspositionen, deren Order die öffentlichen Verwaltung noch sehr zurückhaltend ausgibt. Zur Darstellung der Überschwemmungsflächen, als Ergebnis aus 2D-Modellierungen simulierter Hochwasserabflüsse, hat sich die Zonierung der Wassertiefen von LightYellow zu DarkBlue über mehrere Stufen als Quasi-Standard etabliert.

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